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Bildungsteilhabe von Sinti und Roma

  • Beschreibung des Focal Points
  • Antiziganismusforschung

    Gegenwärtig kann Antiziganismus als Diskriminierungsstruktur gelten, die Bildungschancen und -möglichkeiten auf unterschiedliche Weise negativ beeinflusst.

    Antiziganistische Diskriminierung trifft in Deutschland sowohl deutsche Staatsbürger_innen ohne Migrationsgeschichte, als auch deutsche Staatsbürger_innen mit Migrationsgeschichte und Staatsbürger_innen anderer EU- und Nicht-EU-Länder. Bildungswege deutscher Staatsbürger_innen sind – ebenso wie die zahlreicher weiterer EU-Staaten – häufig geprägt durch eigene oder familiäre Verfolgungserfahrungen insbesondere im Nationalsozialismus. Die nationalsozialistische Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und schließlich Vernichtungspolitik wirkte sich in Deutschland spätestens seit Mitte der 1930er Jahre, als Sinti und Roma in größeren Städten gezwungen waren, in verschiedenen Zwangslagern zu leben, auch auf die Bildungssituation der Betroffenen aus. Die meisten Überlebenden waren somit während des Nationalsozialismus von massiver Ausgrenzung auch im Bildungsbereich betroffen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde nie versucht, diese Ausgrenzung zu kompensieren, stattdessen setzte sich die Diskriminierung im Bildungsbereich in verschiedener Hinsicht fort. Die statistisch übermäßig häufige Verweisung deutscher Sinti und Roma auf Förderschulen stellt eine dieser Diskriminierungsformen dar.

    Für viele in Deutschland lebende Betroffene von Antiziganismus mit Migrationsgeschichte, insbesondere aus den ost- und südosteuropäischen Staaten, stellte der Zusammenbruch des ‚Realsozialismus‘ eine – weitere – einschneidende Erfahrung dar. Wurden in den autoritär ausgerichteten sozialistischen Staaten häufig alle Bürger_innen gleichermaßen restriktiv in die staatlichen Bildungssysteme integriert – zuweilen mit dem Ziel, kulturelle Homogenität zu erzeugen und die kulturelle Identität von Minderheiten zu zerstören –, verschärfte sich die Bildungsdiskriminierung nach 1990 erheblich. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, in diesen Staaten setzten sich verschiedene Formen segregierender Schulpolitik durch. Sie haben zusammen mit der Diskriminierung in anderen Bereichen die Bildungschancen von Betroffenen häufig nachhaltig eingeschränkt.

    Diese institutionellen Diskriminierungsstrukturen werden durch einen antiziganistisch geprägten kulturellen Deutungsrahmen der europäischen Mehrheitsgesellschaften unterstützt und verstärkt, in dem den Betroffenen per se ‚Primitivität‘, ‚Bildungsferne‘ und ‚Disziplinlosigkeit‘ unterstellt wird. Diese Bilder wirken im schulischen Bereich sowohl über Lehrer_innen, Mitschüler_innen und andere Kontaktpersonen, als auch über Schul- und Bildungsmaterial, in dem antiziganistische Bilder und Stereotype reproduziert werden. Mit diesen stereotypen Darstellungen geht häufig ein gänzliches Ausblenden der Geschichte von Sinti, Roma, Jenischen oder anderen von Antiziganismus Betroffenen einher, ebenso wie ein Negieren oder Übergehen ihrer Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte, insbesondere im Nationalsozialismus.

    Kritik an diesen Verhältnissen sowohl auf struktureller Ebene, als auch in unzähligen Einzelfällen ist bis in die 1980er Jahre beinahe ausschließlich durch Selbstorganisationen von Sinti und Roma, sowie durch einzelne persönlich Betroffene geübt worden. Seitdem hat es immer wieder vereinzelte Kritiken im akademischen wie im politischen Bereich gegeben, wobei auch hier die Kritik und das Engagement der Selbstorganisationen als zentral einzustufen ist. Der focal point soll einen Beitrag zur Erforschung und Kritik des Antiziganismus leisten.

  • "Bildung als Wert erkennen - die Lage der Frauen stärken"

    ZBI begleitet und evaluiert wissenschaftlich das Projekt “Bildung als Wert erkennen  – die Lage der Frauen stärken” der Begegnungsstätte Hildesheimer Sinti. Das Projekt wird vom Land Niedersachsen finanziert.

    Projektbeschreibung

    Unter Bezugnahme auf aktuelle Studien zur Bildungsteilhabe der deutschen Sinti in Niedersachsen hat die Begegnungsstätte Hildesheimer Sinti Maßnahmen entwickelt und in einem Projekt gebündelt, die perspektivisch mehr lokalen Kindern und Jugendlichen aus dieser Minderheit einen Zugang zu, und Teilhabe an schulischer Bildung ermöglichen sollen. Hierfür wurden konkrete Zielsetzungen festgelegt (vgl. Antrag  Begegnungsstätte Hildesheimer Sinti). Das Zentrum für Bildungsintegration der Stiftung Universität Hildesheim wird den Prozess der Umsetzung der Maßnahmen evaluativ begleiten und nach einen Jahr einen Bericht mit Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung und Sicherung von Konzept und Maßnahmen vorlegen.

  • XENOS Projekt

    Netzwerk Bildungsaufbruch 

    Bildung und Beschäftigung für Sinti und Roma in Deutschland

    Das Verhältnis zwischen der Minderheit der Sinti und Roma und der Mehrheit in Deutschland lässt sich kennzeichnen durch wechselseitige Abgrenzungen. Aktuell jedoch ungleich stärker durch strukturelle Ungleichheit bei den Zugängen zu und der Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern wie Ausbildung, Arbeit, Ausgrenzung, Diskriminierung und Vorurteile kommen hinzu.

    Um den Zirkelschluss von Vorurteilen, ethnisch kulturellen Kategorien versus sozialer Desintegration zu entgehen, wurde ein handlungsfähiges bundesweites Netzwerk “Bildungsaufbruch für Sinti und Roma in Deutschland” aufgebaut.

    Zur Verbesserung der Teilhabe von Sinti und von Roma an Bildung, Ausbildung und Beschäftigung haben die RAA Berlin, Romnokher und Madhouse im Rahmen eines XENOS-Projekts zusammen gearbeitet.

    Das Projekt baut für Bildungsinitiativen und Sinti und Roma Organisationen, sowie die im Bildungs- und Arbeitsvermittllungsprozess Beteiligten inklusive Arbeitgeber ein Netzwerk als Information, Austausch- und Kooperationsplatform auf und steht Interessierten zur Verfügung.

    Das Projekt ist abgeschlossen.

  • SPRECHER

    Juliane Solf, Leiterin des Projektes “Bildung als Wert erkennen  – die Lage der Frauen stärken”

  • Kontakt