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Georgi, Viola B. (2015). Integration, Diversity, Inklusion. Anmerkungen zu aktuellen Debatten in der deutschen Migrationsgesellschaft.

Integration, Inklusion, Diversity – diese drei Schlagwörter geistern konstant durch Diskussionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Sie werden bemüht, wenn es um die Gestaltung menschlichen Zusammenlebens, -lernens und -arbeitens geht – und dann nicht selten ungenau verwendet. Wie aber lassen sie sich unterscheiden? Gibt es überhaupt eine Trennschärfe? Und wo bestehen Überschneidungen?

Georgi, Viola B. (2015): “Vielfalt lernen und leben” (Kapitel 1). In: Bertelsmann Stiftung (Hg.): Klasse Vielfalt – Chancen und Herausforderungen der interkulturellen Öffnung von Schulen, S. 7-31.

Die Beiträge von Viola Georgi, Mostapha Boukllouâ, Sema Simsar und Adamantios Tsakiroglou erörtern Strategien und Maßnahmen für die interkulturelle Öffnung von Schulen. Sie zeichnen die Entwicklungsbedarfe in diesem komplexen Feld auf: Die Lehrerbildung im Umgang mit Heterogenität und Mehrsprachigkeit, die Diversifizierung der Bildungsmaterialien, die Unterrichtsentwicklung, die sprachliche Bildung sowie die Kooperation mit den Eltern und außerschulischen Einrichtungen sind Meilensteine auf dem Weg zu Schulen mit einer robusten Willkommens- und Anerkennungskultur.

Ismaiel-Wendt, Johannes S.  (2015): Anmerkungen zum aktuellen Rechtsstreit über Musik-Sampling – „Kraftwerk (Ralf Hütter) vs. Moses Pelham“ – und zur Frage nach rassismuskritischer, semiotischer Demokratie.

Wenn aktuell vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wird, ob der Produzent Moses Pelham mit der Verwertung eines Fragments eines Stücks der Gruppe Kraftwerk Diebstahl beging, werden tatsächlich grundsätzliche Fragen kultureller Partizipationsmöglichkeiten für alle verhandelt. Der Beitrag zeigt, welch enorme Bedeutung kulturelle Kodierung der Umwelt unter größtmöglicher Beteiligung haben kann, die nicht nur Institutionen und sich als Eliten Imaginierenden vorbehalten sein darf. Zudem offenbart sich, dass zahlreiche rassistisch konstituierte Felder von solch einem Streit um Urheberrechtsphantasien tangiert werden.

Schammann, Hannes (2015): PEGIDA und die deutsche Migrationspolitik. Ein Beitrag zur Differenzierung des Opinion-Policy Gap in der Migrationsforschung. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft 25 (3), 309–333.

Die Großdemonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz PEGIDA, die im Winter 2014/15 in mehreren deutschen Städten stattfanden, haben zahlreiche Demokratie- und Protestforscher auf den Plan gerufen. Die politikwissenschaftliche Migrationsforschung dagegen meldete sich bislang kaum zu Wort. Der Beitrag nutzt das Fallbeispiel der PEGIDA dazu, Gary Freemans (1995) breit rezipierte Hypothese eines opinion-policy gap, also einer persistenten Kluft zwischen restriktiver Bevölkerungsmeinung und liberaler Migrationspolitik, kritisch zu hinterfragen. Anstelle eines eindimensionalen gap zwischen ‚restriktiv‘ und ‚liberal‘ macht er drei Ausprägungen der Relation zwischen PEGIDA-Forderungen und deutscher Migrationspolitik aus: Erstens existiert in Fragen der Identitätspolitik ein policy-opinion lag – also die verzögerte Annahme eines Politikwandels durch einen Teil der Bevölkerung. Zweitens ist in Sicherheitsfragen ein intensity gap zu diagnostizieren, und damit eine unterschiedliche Einschätzung der Intensität von Herausforderungen und nötigen Gegenmaßnahmen. Drittens ist bezüglich der ökonomischen Bewertung von Zuwanderung eine weitgehende Übereinstimmung, eine opinion-policy congruence, festzustellen. Mit diesen Befunden macht der Beitrag einen konzeptionellen Vorschlag für eine differenzierte Dimensionierung des opinion-policy gap, auch über das Fallbeispiel der PEGIDA hinaus.

Schammann, Hannes (2015): Rette sich, wer kann? Flüchtlingspolitik im Föderalismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 65 (25), S. 26–31.

Flüchtlingspolitik sorgt bei steigenden Asylantragszahlen zuverlässig für Zündstoff zwischen den politischen Ebenen: Kommunen fühlen sich mit der Unterbringung von Flüchtlingen überfordert und rufen nach finanzieller Hilfe von Bund und Ländern. Der Bund wiederum sieht die Länder in der Pflicht, ihren gesetzlichen Zuständigkeiten effizienter nachzukommen und bemängelt beispielsweise ein inkonsequentes Vorgehen bei negativen Asylentscheidungen. Man kann dabei leicht den Eindruck gewinnen, flüchtlingspolitische Verantwortung ließe sich im Föderalismus “wie eine Flipperkugel hin und her schießen”. Rasch kann zudem der Überblick verloren gehen: Wer ist eigentlich wofür zuständig? Wie funktioniert Flüchtlingspolitik im Föderalismus? Und wer entzieht sich seiner Verantwortung? Diese Fragen sind Gegenstand des vorliegenden Beitrags. Zunächst werde ich die Aufgabenteilung zwischen Europäischer Union, Bund, Ländern und Kommunen umreißen, ehe ich anhand einiger Beispiele den daraus resultierenden Flickenteppich deutscher Flüchtlingspolitik skizziere. Schließlich sollen durch einen Abgleich mit zwei Funktionen des Föderalismus Defizite und Lösungswege aufgezeigt werden.

Schammann, Hannes (2015): Wenn Variationen den Alltag bestimmen. Unterschiede lokaler Politikgestaltung in der Leistungsgewährung für Asylsuchende. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 9 (3), 161–182.

Vor dem Hintergrund eines trotz aller Hürden an Kontur gewinnenden europäischen Asylsystems steht in der vergleichenden politikwissenschaftlichen Migrationsforschung meist die Frage nach der Konvergenz nationalstaatlicher Flüchtlingspolitik im Zentrum. Unterschiede zwischen lokaler Flüchtlingspolitik bei der Implementation europäischer und nationalstaatlicher Vorgaben werden bislang nur wenig beachtet. Am Beispiel des deutschen Asylbewerberleistungsgesetzes entwickelt der Beitrag in einer institutionentheoretisch orientierten Argumentation die These, dass bundesdeutsche Flüchtlingspolitik eigenständiges policy making auf lokaler Ebene nötig macht und konträre Umsetzungen vor Ort provoziert. Neben der Analyse des institutionellen Rahmens wird auf Ergebnisse einer vergleichenden Fallstudie zur Umsetzungspraxis in zwei deutschen Kommunen zurückgegriffen.

Georgi, Viola B. (2016): “Self-Efficacy of Teachers with Migrant Background in Germany: Handling Linguistic and Cultural Diversity in School”. In: Clea Schmidt; Jens Schneider (ed.): Diversifying the Teaching Force in Transnational Contexts. Critical Perspectives. Transnational Migration and Education. Volume 3. Rotterdam/Boston/Taipei: Sense Publishers, p. 59 -73.
Georgi, Viola B. (2016): “Higher Education and Inclusion in Germany”. In: Tony Gallagher; Sjur Bergan (ed.): Higher education for democratic innovation:  developments and challenges Council of Europe Higher Education. Series No. 21. London: Palgrave Macmillian, pp. 44-57.
Georgi, Viola B.; Filiz Keküllüoğlu (2016): Was Schule macht.

Diskriminierung in deutschen Bildungseinrichtungen muss offener thematisiert werden – auch von Lehrer_innen

Schammann, Hannes; Boris Kühn (2016): Kommunale Flüchtlingspolitik in Deutschland. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Welche Spielräume haben Kommunen in der Flüchtlingspolitik? Wie nutzen sie diese und wie interagieren sie mit Bundes- und Landesebene? Diesen Fragen geht Hannes Schammann in seiner Forschung nach. Im Jahr 2016 erschienen dazu sowohl konzeptionelle als auch praxisnahe Publikationen, darunter eine Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Politik und Praxis stark rezipiert wurde.

Schammann, Hannes; Christin Younso (2016): Studium nach der Flucht? Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung. Empirische Befunde und Handlungsempfehlungen. Hildesheim: Universitätsverlag Hildesheim.

Hochschulen sind keine isolierten Elfenbeintürme, die fernab jeder gesellschaftlichen Entwicklung existieren. Besonders deutlich wurde dies als die Zahl Asylsuchender in Deutschland erheblich anstieg. Viele Hochschulen öffnen seitdem ihre Tore für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung. Hannes Schammann und Christin Younso haben in ihrer im Mai 2016 veröffentlichten Pilotstudie erstmals die Angebote neun deutscher Hochschulen analysiert. Die Studie bietet einen Einblick in Ziele, Strukturen und Prozesse der Öffnungsprozesse und gibt praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Politik. Die Studie wurde von der Stiftung Mercator gefördert und entstand in enger Zusammenarbeit mit dem BAMF, der Hochschulrektorenkonferenz und dem Wissenschaftsrat. Sie wurde und wird durch Praxis und Öffentlichkeit stark rezipiert.

Schneider, Wolfgang; Anna Kaitinnis (Hg.) (2016): Kulturarbeit in Transformationsprozessen. Wiesbaden: Springer.

Die Herausgeber zeigen in diesem Band Möglichkeiten und Grenzen sowie bisher unterschätzte oder ungenutzte Potentiale Auswärtiger Kulturpolitik (AKP) am Beispiel der Mittlerorganisation Goethe-Institut zur Begleitung von Transformationsprozessen auf. Darüber hinaus werden Erkenntnisse der Kulturpolitikforschung für die Untersuchung von AKP in Entwicklungsländern erörtert. Um den Bogen von der Praxis zur Theorie zu schlagen, führt die Publikation Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitarbeitenden des Goethe-Instituts und Beiträge von Wissenschaftlern aus den Bereichen der Kulturwissenschaften und Politikwissenschaft zusammen..

Stoffers, Nina (2016): „Kulturprojekte für und mit, aber selten von… Eine Spurensuche nach Motivationen und Haltungen nicht-geflüchteter Kulturschaffender im Theater“. Zusammen mit Helling, Marlene. In: Maren Ziese; Caroline Gritschke (Hg.): Geflüchtete und Kulturelle Bildung. Formate und Konzepte für ein neues Praxisfeld. Bielefeld: transcript.

Die in dem Artikel behandelte Thematik der Motivation nicht-geflüchteter Kulturschaffender, die Projekte oder Stücke an Theatern mit Geflüchteten initiieren, betreuen und umsetzen, und ihr Umgang mit der „Zielgruppe“ Geflüchtete, gewinnt vor dem Hintergrund unserer eigenen Hintergründe „ohne Fluchterfahrung“ an Brisanz: Welche Legitimationen, so fragen wir uns, werden ins Spiel gebracht, wenn (vermeintlich) partizipative Projekte und Angebote für diese Zielgruppe als wichtig, richtig und gut postuliert werden? Und welche Legitimation geben wir uns selber, wenn wir uns als „weiße“, nicht-geflüchtete Zuschauerinnen und wissenschaftlich Forschende verorten?

Stoffers, Nina; Hannes Schammann (Hg.) (2017): Zwischen Kunst und Politik – Kulturprojekte mit Flüchtlingen. Universitätsverlag Hildesheim.

In der vorliegenden Dokumentation sind die Texte der Teilnehmer_innen des Seminars „Kunst und Politik – Kulturprojekte mit Flüchtlingen“ versammelt. Hiermit wird versucht, die Ergebnisse der Recherchearbeit und der daraus resultierenden Ausstellung in ihrer Vielfalt und Komplexität abzubilden. Die Texte basieren auf den Reflexionen einzelner Teilnehmer_innen über die eigene Recherchearbeit zu den unterschiedlichsten Projekten und über die daraus resultierenden Ausstellungsprojekte. Daher sind die Texte im Zugang und Stil sehr unterschiedlich. Auch Begriffsdefinitionen wie „Flüchtling“ / “Geflüchtete“, sowie die Anwendung von gendergerechter Sprache haben wir bewusst den einzelnen Autor_innen überlassen und somit nicht angeglichen.