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Transcultural Music Education

  • Beschreibung des Focal Points

    Wenn es um Migration, Globalisierung, Multi-, Inter-, Transkulturalität oder Diversity geht, gibt es wohl kaum ein Feld, das öfter angeführt wird als Musik. Das zentralste Medium im Zusammenhang mit Fragen nach kultureller Repräsentation, nach Heimat, nach dem Nomadischen, Diasporischen, nach Grenzüberschreitungen, Fusions- und Befriedungsphantasien ist Musik – so oder so: als „Europäische Kunstmusik“, „Black Music“, „Brit-, K-, oder J-Pop“, „Volksmusik“ oder „World Music“. Eine vergleichbare kulturelle Aufladung in diesem Ausmaß ist höchstens noch in den Verschmelzungsmythen um internationale Küche zu erleben.

    Unter dem vage formulierten Titel des focal points „Transcultural Music Education“ begegnen sich Forscher*innen diverser Disziplinen, die besondere Potenziale der Inklusion und auch Exklusion im Zusammenhang von Musik erkennen. Vertreterinnen der Institute Musik und Musikwissenschaft, Kulturpolitik, Sozialwissenschaften, des Center for World Music und des Zentrums für Bildungsintegration der Universität Hildesheim reflektieren in einem offenen Kreis Fragen kultureller Repräsentation unter anderem vor der eigenen Haustür ‑ der institutionalisierten Musikausbildung: Wie divers, inter-, multi- oder transkulturell müsste die Ausbildung von Musikpädagogen und Musikvermittlerinnen gestaltet sein? Wie ist sicherzustellen, dass für die institutionalisierte Musikausbildung eine möglichst diverse Klientel (Sprache, (soziale) Herkunft, Gender) angesprochen wird? Wer, mit welchem Musik- und Kulturbegriff und welchen Fähigkeiten fühlt sich als Musikpädagogin oder Musikvermittlerin berufen? Was müssen Lehrpläne der Hochschulen abdecken, um divers, integrativ, inklusiv bzw. nicht-monokulturell ausgelegt zu wirken?

    Den zentralen Ausgangspunkt bildet, entgegen häufig angerufener auch populistischer Diskurse, nicht die Vorstellung einer neuartigen Verfasstheit heutiger Kulturen (Stichworte: Migration, Globalisierung), sondern zunächst einmal die Feststellung, dass Musikausbildung und sehr viel allgemeiner: Kulturforschung u.a. in Deutschland musikalische Diversität und Pluralität in vielerlei Hinsicht schon sehr lange ignoriert. In der Ausbildung von Lehrer*innen, Musiker*innen, Musikwissenschaftler*innen, Kulturvermittler*innen können zahlreiche Momente struktureller Exklusivität ausgemacht werden, die kulturelle Erinnerung, Geschichtsschreibung oder die Vermittlung von Gestaltungsformen und ästhetischen Praktiken auf wenige Musiken begrenzen.

    Der focal point „Transcultural Music Education“ soll nicht einen Kurzschluss produzieren, der „fremde Klänge“ allein mit Musik aus „fernen Ländern“ gleichsetzt. Vielmehr wird erkannt, dass auch intra-kulturelle (Diversitäts-)Vermittlung sinnvoll ist. Daraus folgt, dass innerhalb dieses focal points auch die grundsätzlichere, kritische Diskussion um terminologische Setzungen und Aneignungen, wie Inter- oder Trans-Kulturalität, Integration, Inklusion, Teilhabe und Partizipation oder Bildung vorangetrieben werden soll.

  • Seminar und Ringvorlesung im Sommersemester 2014

    „Relativ professionelle, transkulturelle Musikvermittlung – Inhalte“

    Der Begriff ‚transkulturell‘ meint in diesem Seminar nicht nur Ideen zur Inszenierung differenter, ethnisierter Musikkulturen, sondern auch z.B. Übergänge der Musikpräsentation zwischen etablierten Kulturinstitutionen und Do It Yourself Projekten.

    Im Seminar werden etwa zu gleichen Teilen Theorien zur Frage der kulturellen Repräsentation vermittelt, wie konkrete Beispiele der interkulturellen oder transkulturellen Musikinszenierungspraxis reflektiert.

    Ankündigung! Einige Sitzungen werden durch öffentliche Gastvorträge von Forscher*innen und Projekteberichte von Gästen bereichert:

    • Vortrag und Gespräch mit Julio Mendívil (öffentlich): „Deutschland schafft Differenz ab: Warum ich Transkulturalität nicht ausstehen kann“, am 27. Mai 2014 um 18:00 Uhr s.t.
    • Vortrag und Gespräch mit Sophie Ahrenhövel und Johann Honnens: „Zwischen Anerkennung und Dekonstruktion von Differenz: Musikpädagogik in der Migrationsgesellschaft. Beispiele aus eigener Praxis, Forschung und Lehre“, 3. Juni 2014 um 18:00 Uhr s.t.
    • Vortrag und Gespräch mit Stefanie Kiwi Menrath: “Vermittlung von Kultur aus – relativ professionelle Strategien aus Popmusikkulturen für eine transkulturelle Musikvermittlung“. Am Beispiel des Projekts “Phantominseln” am Übersee-Museum Bremen soll gezeigt werden, wie transkulturelle Musikvermittlung von Popmusikkulturen lernen kann. Am 17. Juni 2014 um 18:00 Uhr s.t.
    • Vortrag und Gespräch mit Nina Stoffers: “‘Wir sind Heimat!‘ Ein transkulturelles Musikprojekt für Roma-Kinder und -Jugendliche zwischen Empowerment und Othering“, 24. Juni 2014 um 18:00 Uhr s.t.
    • Öffentlicher Vortrag und Gespräch mit Marion Haak: „Zwei Musikprojekte und ein Ziel: Bericht vom Forschungsaufenthalt in Palästina über die Praxis der Barenboim-Said Stiftung und der Musicians without Borders“, am 1. Juli 2014 um 18:00 Uhr s.t.

    Das Seminar findet in Kooperation mit Nina Stoffers (Institut für Kulturpolitik) statt. Nina Stoffers bietet außerdem die Veranstaltung: “Musikalische Diversität: Eine Entdeckungstour” (dienstags, 10-12h).

  • SPRECHER

    Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt, Institut für Musik und Musikwissenschaft

  • Kontakt

    E-Mail: ismaielw@uni-hildesheim.de

    Telefon +49 5121 883-20904
    Raum Hs 2/203 Domäne

    Sprechzeit Mittwoch, 12:00-13:00 Uhr