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Internationale Konferenz: Migration und Bildung 2014

Theorie und Praxis Interkultureller Lehrer_innenbildung und Schulentwicklung

PROGRAMM Inaugurationskonferenz Migration und Bildung

Der Umgang mit migrationsbedingter Heterogenität, also sprachlicher, ethnischer, kultureller und religiöser Vielfalt, ist angesichts zunehmender Internationalisierung, Globalisierung und Migration zur dauerhaften Herausforderung für demokratische Partizipation und soziale Inklusion in modernen Gesellschaften geworden und fordert unsere Bildungsinstitutionen heraus. Die durch die empirische Bildungsforschung vielfach belegte ungleiche Teilhabe an Bildung in Deutschland verdichtet sich besonders in der Merkmalskombination „soziale Herkunft“ und „Migrationshintergrund“. Die Ergebnisse international vergleichender Schulleistungsstudien dokumentieren die Benachteiligung von Migrantenkindern in unterschiedlichen Segmenten des Schulsystems – nicht nur in Deutschland. Dennoch tut sich das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich besonders schwer im Umgang mit migrationsbedingter Heterogenität. In der Konsequenz gerät die Schule unter begründeten Verdacht, durch ihre „monolinguale und monokulturelle Ausrichtung“ (Gogolin 1998) sowie durch selektive Praktiken (etwa Übergangsempfehlungen) im Rahmen des mehrgliedrigen Schulsystems auch entlang ethnischer Zugehörigkeiten institutionell zu diskriminieren (Gomolla/Radtke 2006). Das „Homogenisierungsdenken“ bei Lehrkräften wird als größte Herausforderung schulischen Handelns beschrieben (Wischer, 2007). Dabei rücken das professionelle Selbstverständnis und das pädagogische Handeln von Lehrkräften ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Lehrer_innenbildung braucht offenbar neue Impulse und Konzepte, die der durch Migrationsprozesse veränderten gesellschaftlichen Realität gerecht werden und die Herausbildung einer diversitätsbewussten professionellen Haltung begünstigen. Hierzu gehört beispielsweise die Vermittlung interkultureller und diagnostischer Kompetenzen, Heterogenität in ihren verschiedenen Ausprägungen im Sinne von Ressourcenorientierung erfassen zu können, die fachdidaktische Expertise, die Fachinhalte multiperspektivisch und differenzierend vermitteln zu können, der Erwerb von Kenntnissen über Migrationsgeschichte(n), Spracherwerbsprozesse sowie methodische Kompetenzen der individuellen Förderung und Binnendifferenzierung.

Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden auf der Konferenz aktuelle empirische Untersuchungen, Konzepte und Ansätze zum Umgang mit migrationsbedingter Heterogenität in den jeweiligen Schulsystemen, im Unterricht und in der Lehrerbildung vorstellen und vergleichend diskutieren. Entlang von Schlüsselthemen (etwa Lehrkräfte mit Migrationshintergrund, Interkulturelle Unterrichtsentwicklung, Mehrsprachigkeit) werden für Migrationsgesellschaften relevante Fragen von Bildungsintegration und Bildungsteilhabe im Spiegel institutioneller Praxen und pädagogischer Professionalität reflektiert und im Wechsel von Theorie- und Praxisperspektiven systematisch aufeinander bezogen. Der Blick über den deutschen Tellerrand soll u.a. dazu beitragen, gängige integrations- und bildungspolitische Paradigmen im Licht aktueller internationaler Diskurse der Migrations-, Integrations- und Bildungsforschung zu reflektieren und ggf. neu zu justieren.

Das Erkenntnisinteresse der Konferenz lässt sich in der folgenden Auswahl an Fragen bündeln:

  • Wie ist der Stand der Forschung zur Bildungsintegration von Kindern und Jugendlichen aus Einwandererfamilien in unterschiedlichen Ländern Europas, den USA und Kanada? Wie wirken sich die spezifischen integrations- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen auf die Lehrerbildung und die Schulpraxis aus?
  • Welche Art von Lehrerprofessionalität brauchen Schulen in der Migrationsgesellschaft?
  • Welche „neuen“ Kompetenzen benötigen Lehrkräfte und wie können diese effektiv und nachhaltig in die Lehrerbildung implementiert werden?
  • Wie muss sich die Lehrerbildung an den Hochschulen verändern, damit angehende Lehrerinnen und Lehrer lernen, konstruktiv mit (migrationsbedingter) Heterogenität umzugehen?
  • Was können wir von Modellen und Programmen interkultureller Lehrerbildung an Hochschulen in anderen nationalen Kontexten lernen?
  • Was verstehen wir unter interkultureller Schul- und Unterrichtsentwicklung? Was sind die Parameter gelungener interkultureller Öffnung von Schule? Wie sieht die Qualitätsentwicklung an solchen Schulen aus?
  • Welche Form des professionellen Selbstverständnisses ermöglicht es den Lehrenden, Prozesse interkultureller Schulentwicklung zu initiieren und zu begleiten?
  • Können Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte einen besonderen Beitrag zur interkulturellen Öffnung von Schulen leisten? Wenn ja, welchen? Wie kann der Anteil von Lehrenden mit Migrationshintergrund erhöht werden? Wie kann ihre schulische Integration gefördert werden?
  • Welche innovativen Möglichkeiten der Integration von Mehrsprachigkeit in Lehrpläne sind denkbar?
  • Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit in der Schule und in der Lehrerausbildung?
  • Die Veranstaltung richtet sich an Vertreterinnen/Vertreter politischer Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger, zivilgesellschaftliche Akteurinnen/Akteuren, Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler, Lehrer_innenbildnerinnen/Lehrer_innenbildner, Lehrkräfte, Praktikerinnen/Praktiker und Migrantenorganisationen.